Feb 062012
 

In Deutschland fristet die Füllstationen-Infrastruktur für Tauch-Mischgase wie Nitrox oder Trimix leider immer noch ein Mauerblümchen-Dasein. Neben gesetzlicher Regelungen die insbesondere an den Umgang mit Sauerstoff sehr hohe Anforderungen stellen, ist auch oft die notwendige Fülltechnik sehr teuer und aufwändig. In Deutschland wird jedes Gasgemisch mit einem Anteil von mehr als 21% Sauerstoff wie reiner Sauerstoff behandelt.

Reiner Sauerstoff ist ein extremer Brandbeschleuniger. Rauchen oder offenes Feuer in der Nähe von Sauerstoffflaschen ist absolut tabu! Die meisten Materialien brennen heftig in Sauerstoff; die Reaktion kann sogar explosionsartig verlaufen. Wenn die Sauerstoffkonzentration in der Luft steigt, erhöht sich die potentielle Brandgefahr. Fette können sich in Verbindung mit reinem Sauerstoff selbst entzünden und in einer reinen Sauerstoffumgebung können auch einige sonst unbrennbaren Materialien brennen.

Prinzipiell gibt es für die Herstellung von Mischgasen im Umfeld des Gerätetauchens drei verschiedene technische Ansätze.

  • Verwendung von Membranfüllanlagen
  • Constant-Flow-Füllmethode
  • Partialdruck-Füllmethode

Membranfüllanlagen stellen dabei den wohl größten technischen und finanziellen Aufwand dar (die Preise für die „Grundausstattung“ beginnen bei ca. 18.000 Euro), bieten dabei jedoch große Sicherheit, da nie mit reinem Sauerstoff gearbeitet werden muss. Membrananlagen entziehen normaler Atemluft durch eine semipermeable Membran einen Teil des Stickstoffs. Man kann mit diesen Anlagen Gemische bis zu einem Sauerstoffanteil von rund 40% herstellen.  Diese Art der Füllanlagen rechnet sich betriebswirtschaftlich allenfalls für professionelle Füllstationen mit hohem Füllaufkommen.

Bei der Constant-Flow Fülltechnik wird auf eine geeignete Kompressoranlage aufgesetzt. Der Ansaugluft des Kompressors wird über entsprechende Regeltechnik reiner Sauerstoff beigemischt. Durch die Beimischung wird die Ansaugluft des Kompressors auf das gewünschte Nitrox-Gemisch bis ca. 50% „vorgemischt“. Voraussetzung für diese Fülltechnik sind geeignete Atemluftkompressoren. Ein entscheidender Vorteil dieser Technik ist, dass im Vergleich zur Partialdruck-Füllmethode die Sauerstoffflaschen restlos entleert werden können und damit Kosten eingespart werden. Je nach Ausführung sind Constant-Flow Anlagen ab ca. 3.500 Euro zu bekommen.

Die kostengünstigste und wohl am häufigsten verbreitete Fülltechnik ist die Partialdruck-Füllmethode. Hierbei wird reiner Sauerstoff aus einer Überströmflasche in die Tauchflasche gefüllt und die Restmenge bis zum Erreichen der gewünschten Endmischung über einen normalen Atemluftkompressor zugegeben. Wegen des Umgangs mit Fremdflaschen und reinem Sauerstoff erfordert die Partialdruck-Fülltechnik vom Füller gute Kenntnisse und ein hohes Maß an Sorgfalt und Verantwortungsbewußtsein.

Bereits 2002 wurde wegen der schlechten Füllinfrastruktur in Deutschland die „IG-Gase“ ins Leben gerufen. Die Interessengemeinschaft richtet sich an Personen, die ihre Mischgasfüllungen selbst herstellen möchten, oder die sich zu entsprechend günstigen Konditionen fertige Mischungen beschaffen möchten.

Die IG-Gase hat mit verschiedenen Gaslieferanten Verträge abgeschlossen. Diese Gaslieferanten unterhalten im gesamten Bundesgebiet Servicestellen – in unserer Gegend beispielsweise in Kulmbach, Kronach, Bamberg, Zella-Mehlis und Schmalkalden. Von dort können u. a. verschiedene 50 Liter Füllungen (200 oder 300 bar) bezogen werden. In Verbindung mit einem geeigneten Gas-Mix-Set  und den entsprechenden Kenntnissen im Umgang mit reinem Sauerstoff lassen sich auf diesem Wege selbst die benötigten Gasmischungen herstellen.

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