Jul 222012
 
Aladin zeigt Fehler

Aladin zeigt Fehler

Leider gehörte es viele Jahre zur Philosophie des Tauchcomputer-Herstellers UWATEC einen einfachen Batteriewechsel durch den Endverbraucher bei seinen Tauchcomputermodellen nicht vorzusehen. Die gesamte „Aladin“ Modellreihe ab der zweiten Rechnergeneration musste zum Batteriewechsel ins Werk eingesendet werden. Als Argumentation für diesen recht kostenintensiven Werksaufenthalt wurde von den Händlern oft angeführt, der Schritt diene der Sicherheit da die Tauchcomputer beim Batteriewechsel im Werk neu kalibriert würden. Nun – dieser Aussage mag man Glauben schenken, oder aber auch nicht!

Viel Unmut bei der Kundschaft erntete UWATEC für einen sehr nachhaltigen Produktionsfehler bei verschiedenen Modellen der hochpreisigen „Aladin Air“ Serie. Als die ersten Geräte 5-6 Jahre nach Produktionsstart zum Batteriewechsel ins Werk zurückkehrten stellte man fest, dass ein Batteriewechsel zu wirtschaftlichem Aufwand nicht möglich war. UWATEC machte seinen davon betroffenen Kunden bei Kauf eines Neugeräts ein nicht wirklich attraktives trade-in Angebot für das Altgerät.

Nach der Übernahme durch den Johnson Konzern (Scubapro) besann man sich auf eine Designänderung bei den neuen UWATEC Modellen. Inzwischen kann der Kunde die Batterien selbst wechseln, die einstmals hochgehaltene „Neukalibrierung“ scheint wohl an Stellenwert verloren zu haben …

Die Modelle Aladin Pro und Aladin Sport sind noch weit verbreitet. Ein Batteriewechsel kostet bei diesen Rechnermodellen bis zu  80 Euro. Grund genug, sich diese Tauchcomputermodelle bei fälligem Batterietausch einmal näher anzusehen.

Von geübten Bastlern kann die Batterie in ca. 40-50 Minuten selbst getauscht werden. Benötigt wird dazu:

  • 1 Lithium Batterie 3,6 V z. B. SAFT LS 14500
  • 30 ml Elbesil Öl B20 (Silikonöl)
  • 1 Spritze
  • 1 kleiner, flacher Elektroschraubendreher
  • Gutes Löteisen (Lötstation), Lötzinn, Flußmittel
  • Lotabsaugpumpe
  • Deckel einer CD-Spindel oder ähnliches Gefäß
  • 3V Batterie z.B. CR2032
  • 10 cm Klingeldraht o. ä.

Ich habe 5 Stück der o.g. Lithiumbatterien für 15 Euro gekauft, sie sind mindestens 10 Jahre lagerfähig (verwende mehrere der Aladin Tauchcomputer in der Tauchschule). Das Silikonöl ist etwas teurer, 500 ml kosten rund 35 Euro und reichen für mindestens 10 Batteriewechsel.

Zum Öffnen des Gehäuses wird der flache Elektroschraubendreher seitlich vorsichtig in den Gehäusespalt geschoben (s. Pfeilpositionen Bild 1) und das Gehäuse behutsam aufgehebelt.

Bild 1

Bild 2

Ein leichtes Abspreitzen der Seitenteile des Gehäuseunterteils durch einführen des Schraubendrehers an der im Bild 2 durch die Kugelschreiberspitze (und Pfeil) gekennzeichneten Stelle erleichtert das Öffnen bei hartnäckigen Tauchcomputern. Nach gelungener Öffnung des Gehäuses lassen sich die beiden Teile nun genauer untersuchen (Bilder 3-6).

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11

Dreht man den vom Gehäuseunterteil gelösten Aladin mit der Rückseite nach oben (Bild 6), so zeigt sich eine Gummimembran, die es zu entfernen gilt. Da der Tauchcomputer im Inneren komplett mit Silikonöl befüllt ist, kommt nun der Deckel der CD Spindel zum Einsatz. Der Rechner wird wie auf Bild 7 zu sehen in den umgedrehten Deckel gelegt. Die Gummimembran ist lediglich in eine umlaufende Nut des Aladin-Gehäuses eingepresst. Mit entsprechnder Vorsicht und ohne Zuhilfenahme von spitzen Werkzeugen wird die Membran an einer Ecke angehoben. Dies ist etwas kniffelig, gelingt aber bei entsprechender Beharrlichkeit unter vorsichtigem Einsatz der Fingernägel. Ist erst eine Ecke angehoben, so lässt sich die Membran behutsam entfernen. Dabei fließt bereits ein Teil der Silikonölfüllung aus dem Gehäuse, der Rest des Öls wird abgegossen. Es ist nicht ratsam, das Öl zur Wiederverwendung aufzufangen, das Öl sollte besser ausgetauscht werden. Die Membran kann mit Spülmittel vom Öl gereinigt und dann getrocknet werden. Der Tauchcomputer sollte eine Weile mit der Rückseite nach unten gelegt werden, um alles Öl ablaufen zu lassen. Danach kann der Computer mit einem Küchentuch abgewischt werden, um das Silikonöl grob zu entfernen. Nun muss die alte Batterie entfernt werden. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man entfernt mit dem Lötkolben (und so vorhanden einer Lotabsaugpumpe) die Lötverbindungen der an der Batterie befestigten Lötfahnen auf der Platine, oder man löst vorsichtig unter Zuhilfenahme eines Cutters die Lötfahnen von der Batterie. In beiden Fällen sollte man die Platine vorsichtig auf der Batterieseite aus dem Gehäuse anheben. Hierzu eignet sich der zwischen Gehäuse und Platinenrand eingeführte Elektroschraubendreher ganz gut. Bitte dabei jedoch auf das in Bild 10 blau gekennzeichnete Kabel achten, es ist recht kurz und darf nicht unter Zug stehen und abreißen. Wie zu erkennen ist, habe ich mich für das Trennen der Lötfahnen von der Batterie entschieden. Die Lötfahnen sind regelmäßig mit ein oder zwei kleinen Schweißpunkten oder Pressungen an der Batterie befestigt. Beim Trennen nicht zu viel Zug auf die Lötfahne an der Plus-Seite der Batterie ausüben (siehe Bild 10, roter Pfeil), sonst besteht die Gefahr, dass die nur an einem Punkt auf der Platine befestigte Lötfahne aus der Platine herausreißt.

Nun wird die neue Batterie eingelötet. Es ist darauf zu achten, dass nicht zuviel Lötzinn auf die Außenseite der Lötfahnen aufgetragen wird (s. roter Pfeil Bild 11), sonst gibt es später beim Aufsetzen der Membrane Platzprobleme. Nach erfolgreichem einlöten der neuen Batterie ist im Display des Aladin die Error-Anzeige, eventuell mit Bergsymbol zu sehen (s. Bild mit Fehleranzeige ganz oben im Artikel). Dies ist normal und wird mit einer 3V Batterie (z.B. CR2032) behoben.

Bild 12

Bild 13

Bild 14

Bild 15

Wiedereinschalten nach erfolgreichen Reset

Die Batterie wird mit der Plus-Seite auf den unteren linken Kontakt des Aladin gehalten. Dann wird mit einem Kabel zwischen Minus-Pol der Batterie und dem oberen rechten Kontakt des Aladin mehrmals kurz gebrückt. Wenn der Reset-Vorgang erfolgreich war, leuchten kurz alle Anzeigefelder des Tauchcomputers auf und die Error-Anzeige erlischt. Ich will an dieser Stelle anmerken, dass die Anzeige der Batterikapazität bei den ALADIN Modellen offenbar nicht auf einer tatsächlichen Kapazitätsmessung beruht. Führt man nämlich mit eingebauter Altbatterie einen Reset durch (dafür müssen zuvor kurz Plus- und Minuspol der Batterie gebrückt werden, dann erscheint die ERR-Anzeige), so zeigt der Aladin für die alte Batterie auf wundersame Weise wieder eine Kapazität von 99% an. Die Anzeige scheint also vom Zeitpunkt des letzten Reset an – eventuell unter Berücksichtigung der Nutzungsdauer – herunterzurechenen. Dies erklärt auch, warum etliche Aladin Tauchcomputer bei einer angezeigten Restkapazität zwischen 50 und 60% plötzlich wegen leerer Batterie den Geist aufgeben …

Elbesil B20 Silikonöl

Elbesil B20 Silikonöl

Jetzt wird die Membran wieder eingebaut. Dazu wird sie ringsrum wieder in die (saubere!) Gehäusenut eingesetzt und bis auf eine Ecke gegenüber der Batterieseite fest eingedrückt. Der Aladin wird nun hochkant, mit der verbliebenen offenen Stelle nach oben (demzufolge also die Seite mit der Batterie unten), in den Deckel der CD-Spindel gestellt und mit der Spritze langsam mit Silikonöl befüllt. Diese Aufgabe erledigt man am besten (wegen des Silikonöls) mit OP-Handschuhen. In der letzten Phase der Befüllung wird am besten mit der Kanüle der Spritze gearbeitet. Die Membran wird so weit geschlossen, dass nur noch die Kanüle der Spritze durch die Öffnung passt (Achtung, Membran mit der Kanüle nicht beschädigen und mit der Kanüle auch nicht die Platine berühren). Der Aladin wird so weit mit Öl befüllt, dass sich die Membran etwas „bauchig“ nach aussen wölbt. Nun wird die Membran vorsichtig so weit eingedrückt, dass sie wieder plan mit den Gehäuserändern erscheint. Bei diesem Vorgang läuft überschüssiges Öl aus dem verbliebenen, minimalen Spalt in der Ecke.

Membran wieder eingesetzt

Sobald die Membran plan mit den Gehäuserändern ist, wird der verbliebene offene Rand an der Ecke ebenfalls in Gehäusenut gepresst. Die Membran ist nun rundum geschlossen und es sollten sich keine Luftblasen mehr im Gehäuse befinden (mal einen Blick auf das Display werfen – sind Blasen zu sehen?).

Kleinere Luftblasen sind übrigens unschädlich und allenfalls ein Schönheitsfehler, große Luftblasen könnten zu Fehlern bei der Tiefenmessung führen. Die Ränder der Membran werden jetzt noch einmal sorgfältig nachgepresst und auf korrekten Sitz hin geprüft. Danach wird der Aladin in warmer Spüllauge vorsichtig abgewaschen und damit vom Silikonöl befreit. Im letzten Schritt wird das Gehäuse des Aladin wieder zusammengepresst.

Um sich von dessen Funktion und Fehlerfreiheit zu überzeugen, sollten mit dem Tauchcomputer unter Verwendung eines zweiten Referenzgerätes zunächst 2 – 3 Testtauchgänge durchgeführt werden.

 

(c) dive-together.de

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